Im Mai

Ausgangspunkt dieser Arbeit ist das Buch »Stilübungen« von Raymond Queneau. Darin wird eine kurze Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln, in unterschiedlichen Erzählgattungen und Sprachstilen insgesamt 98 mal anders erzählt. Inspiriert davon, habe ich mir eine Geschichte überlegt, die aus den verschiedenen Perspektiven der einzelnen Charaktere erzählt wird. Man erfährt viel über die Vorgeschichte und über Beweggründe, aber am Ende jedes Kapitels läuft der Handlungsstrang zu einem bestimmten Geschehnis zusammen.

Fineliner auf Papier, coloriert
48 Seiten + Umschlag
176 mm × 250 mm

 

Geschichte

I Auf der Straße (Ausgangspunkt)

Ein Maskierter kommt mit einer Geisel, die er mit einer Waffe bedroht, aus einer Bank. Der Geisel ist das Gesicht eingefroren. Beim Rückwärtsgehen stolpert er über einen bissigen Hund, der ihm den Unterschenkel zerfleischt. Er fällt zur einen, die Geisel zur anderen Seite. Die Pistole fällt zu Boden und ein Schuss löst sich.

II Der Schuss – Ein großes Unrecht

Es ist Frühling. Die Luft duftet süß unter einer schweren Decke von Abgasen. Die Tiere haben sich mit den Begebenheiten der Stadt arrangiert und gehen ihren Trieben nach. Frisch verliebt turteln zwei Vögel auf einem Ast und besingen ihre Liebe. Ein Knall ist zu hören und im nächsten Augenblick ist einer der beiden Vögel nicht mehr da. Der Überlebende stößt einen markerschütternden Schrei aus.

III Die Geisel – Die lebendige Leiche

Sie wird von einer Waffe bedroht, von einem Wahnsinnigen, und glaubt, sie müsste sterben. Sie versucht sich an die schönen Dinge in ihrem Leben zu erinnern und merkt, dass sie nie gelebt hat (alles was sie sieht ist Schlafen, Arbeiten, Essen, Schlafen). In diesem Moment gefriert ihr das Gesicht, sie fällt zur Seite und zerfällt zu Staub.

IV Der Hund

Er ist wirklich nicht der schönste, von kleinem Wuchs, hängendem Gesicht, die Nase verformt, sodass bei jedem Atemzug nur ein Röcheln zu hören ist. Aber er ist ein Feingeist, ein sehr  intelligenter und belesener Hund. Leider wird er von seinem Herrchen nicht so behandelt, denn dieser sieht nur den hässlichen Hund und tritt ihn zur Seite, wenn er Lust dazu hat. Er unterdrückt seine Aggressionen. Bei einem Spaziergang verspürt er einen plötzlichen Schmerz und verbeißt sich aus Reflex in den Angreifer (in sein Bein). Es war nie seine Absicht gewesen jemanden zu verletzen und er ist schockiert über sich selbst. Sein Herrchen allerdings auch und somit gibt er ihn in ein Tierheim, wo er wohl den Rest seines Lebens verbringen wird.

V Der Maskierte

Er braucht Geld. Viel Geld um die Pflege und Medikamente für seine schwerkranke Mutter zu bezahlen. Er sieht keinen anderen Ausweg, als eine Bank zu überfallen. Um seine Flucht abzusichern, schnappt er sich eine Bankkundin und führt sie mit angelegter Waffe aus der Bank. Plötzlich stolpert er im Rückwärtsgehen und fällt mit einem stechenden Schmerz in der Wade zu Boden. Danach ist alles Schwarz. Zehn Jahre vergehen und er wird aus dem Gefängnis entlassen. Er hat alles verloren und besitzt nur noch die Dinge, die er am Körper trägt, aber er ist frei und am Leben.