Frakturle und Antiqchen

Durch Zufall fiel mir ein Stapel alter Druckerei-Magazine aus den 1930er Jahren in die Hände und ich fand es spannend zu sehen, wie in dieser Zeit mit Typographie gearbeitet wurde. Ich  beschloss die Hefte aufzugreifen und meine eigene Interpretation der Schriften zu erarbeiten. Ich bediente mich der Technik der Collage und kopierte großzügig aus den Heften heraus. Außerdem griff ich das Bildmaterial, welches die Anzeigen boten auf und verband es in den Kompositionen wieder mit den Schriften, um die Ästhetik der Zeit nicht zu verlieren.

Es sind 100 Collagen entstanden, die in dem Buch »Frakturle und Antiqchen« zusammengefasst sind. Es hat ein Hardcover mit einer Weiß-Prägung auf der Frontseite.

148 mm × 210 mm

 

Aus dem Vorwort:

Dieses Buch soll einen Einblick in die Vielfalt von Schriften, sowie in den Umgang mit Grafiken in Anzeigen der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts geben. Grundlage sind Ausgaben des Anzeigenmagazins für das grafische Gewerbe »Klimsch´s Druckerei-Anzeiger« von 1933 bis 1937, welche im 1899 von Karl Klimsch gegründeten »Klimsch Fachverlag« verlegt und bis 1944 erschienen sind. Als zusammengefasste Ausgaben, den »Klimsch Jahrbüchern«, wurden sie weltweit vertrieben und galten damals als einzigeNachschlagewerke der Reproduktionstechnologie. Der Verlag war Teil des Klimsch & Co – Maschinenbauunternehmens aus Frankfurt am Main, welches von 1858 bis 1995 in der Bildbearbeitung und Druckvorstufe tätig war. Genauer beleuchtet  werden hierbei zwei Schriftgruppen: Die gebrochenen Schriften, zu denen unter anderem die Fraktur und die Schwabacher zählen und Antiquaschriften wie zum Beispiel die Grotesk.

Beide Schriftgruppen wurden in den 1930er Jahren und auch in den Jahren zuvor parallel verwendet, jedoch hatte die Fraktur, teilweise auch die Schwabacher, durchaus in diesem Zeitraum noch einmal einen Höhepunkt in der Verwendung, Verbreitung und auch Entwicklung neuer Varianten erlebt. Dies geschah in Folge der Forcierung durch das NS‑Regime, welches Zeitungen, Druckereien, Behörden und anderen die Anweisung gaben, die Fraktur der Antiqua vorzuziehen. Die in Druckwerken verwendete Schrift und ihre Aussage war natürlich enorm wichtig für propagandistische Zwecke, so sollte die Fraktur als »deutsche Schrift« nach Außen wie nach Innen als eben typisch deutsch wahrgenommen werden und sich dadurch deutlich abgrenzen.

Die starke Verbreitung und gleichzeitige Aufladung der Schrift mit nationalsozialistischen »Werten« ist wohl der Grund dafür, dass die Fraktur auch heute noch von vielen als »Nazischrift« empfunden und gebrandtmarkt wird, vielleicht auch, weil vielen nicht bewusst ist, dass gebrochene Schriften fast vier Jahrhunderte vor dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind und nicht nur im deutschsprachigen Raum verwendet wurden. Abgesehen davon, gab es 1941 einen Erlass des NS-Regimes, der festlegte, dass ab diesem Zeitpunkt die Antiqua den gebrochenen Schriften als Normal – also Regelschrift vorzuziehen sei und Hitler inoffiziell die Schwabacher als »Judenletter« bezeichnete. Es kam also zu einer kompletten Kehrtwende in der Schriftpolitik.

Dies nur als grob zusammengefasster geschichtlicher Hintergrund.

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